beobachtungen – tratsch – trash


wir sagen danke, lieber zivildienst
Juni 27, 2008, 6:06 pm
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werte damen und herren, nun ist soweit, seit drei tagen bin ich von der unfreiwilligen aufgabe des zivildiensts befreit. möge dieses ende auch noch so sehnlichst erwartet worden sein, ist es wie bei den meisten anderen konstellationen im leben: hat man sie nicht mehr, vermisst man sie mehr denn je.

zu der pflichtaufgabe des zivildiensts an sich möchte ich keine unzähligen worte verlieren. jugendliche männer, welche zu sozial, zu friedensliebend, zu liberal oder gar zu weich für die staatsgewalt des bundesheeres sind, können für 9 monate alternativ, für beinahe denselben hungerslohn, bei caritativen instituionen verschiedenster natur ihren dienst leisten. samariter, altenbetreuer, pfarrsekretären – die vielfalt der einsatzgebiete lässt keinesfalls zu wünschen übrig.

bereits zu meiner schulzeit hatte ich diverse probleme mit was ich gerne als “künstliche” autoritätspersonen bezeichne. imho kann eine person durch zwei eigenschaften respekt beziehungsweise autoriät gewinnen: durch kompetenz im jeweiligen fachgebiet oder durch die charaktereigenschaften einer starken persönlichkeit. der idealfall verbindet beide ach so herrlichen attribute in ein und derselben person. hat eine person weder noch vorzuweisen, bekommt sie von mir meist keinen respekt und wird in die schublade mit den von mir betitelten künstlichen autoritätspersonen gesteckt. aus diversen anekdoten meiner freunde, welche zum alumnuskörper des bundesheer gehören, befürchtete ich, während des präsenzdienstes vielen kandidaten für diese schublade zu begegnen beziehungsweise untergeben zu sein. deshalb traf ich meine wahl zugunsten des zivildienstes, offiziell natürlich weil ich aus moralischen gründen den dienst an der waffe ablehne.

nun hatte ich das glück, zu den auserwählten zu gehören, welche ihren dienst im katholischen pfarramt zu frastanz absolvieren konnten. viele legenden kursieren in der bevölkerung vorarlbergs bezüglich dieser arbeitstelle, das gros an aussagen ging in richtung: “do muasch eh dr ganze tag nix tua”. dieses gerücht kann ich zu einem großen teil widerlegen. bedenken wir meine perfomance pro verdientem euro, kann ich mit gutem gewissen behaupten, dass ich doch gefordert wurde :)

was ich meinem zivildienst zu danken habe: sehr viele begegnungen mit leuten aus den verschiedensten gesellschaftsschichten, lebenslagen und altersgruppen; eine gewiße verbesserung meiner sozialen ader beziehungsweise eine art sensibilisierung; die fähigkeit, auch banale tätigkeiten zu einer anspruchsvollen aufgabe machen und bei der erledigung dieser nach perfektion zu streben; die fähigkeit, einige einsame stunden mit hilfe des internets hinüber zu bringen.

nun wartet eine neue aufgabe, sehr konträt, sowohl im aufgabenbereich wie auch in der entlohnung. beschäftigen wird mich bevorzugt die psychologie des trinkgeldgebens und die qualitätsmerkmale von louis-vuitton-gepäckstücken. aber davon gibts bestimmt bald was zu lesen.

wir sagen danke, lieber zivildienst!

so long…


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